Ms. Sung Hee Youn
Team Manager Design Innovation Studio at Hankook Tire Technology Co., Ltd.
Vision & Strategie
Mit welcher Ambition präsentiert Hankook auf der Tire Cologne seine Konzeptreifen?
Hankook hat den Anspruch, die Zukunft der Mobilität aktiv mitzugestalten. Das erfordert eine klare Vision davon, was in den kommenden Jahrzehnten relevant wird – verbunden mit Innovationskraft und technologischem Know-how. Mit unseren Konzeptreifen zeigen wir, wie wir Rolle, Form und Funktion des Reifens immer wieder grundlegend neu denken.
Was verbindet den nachhaltigen 3D-gedruckten Konzeptreifen und den Wheelbot 2 als gemeinsame Plattform?
Beide Konzepte sind Ausdruck einer gemeinsamen Überzeugung: Die Zukunft der Mobilität wird sich stärker ausdifferenzieren als heute. Nicht alle Fahrzeuge werden dieselben Anforderungen haben – und entsprechend brauchen sie auch unterschiedliche Reifenlösungen. Während der nachhaltige Konzeptreifen aus dem 3D-Drucker zeigt, wie wir Materialinnovation und Strukturdesign zusammendenken, demonstriert der Wheelbot 2 als vollständig funktionsfähige Roboterplattform, wie Reifentechnologie und autonome Mobilität zusammenwachsen können. Ersterer entstand gemeinsam mit dem Engineering-Partner Harvestance und zeigt, wie wir Materialinnovation und Strukturdesign in einer Vision für die Zukunft zusammendenken. Der Wheelbot 2 hingegen ist ein bereits voll funktionsfähiger Prototyp: entwickelt unter der Leitung des Hankook Design Innovation Studio und unserer F&E-Abteilungen sowie zusammen mit dem Robotik-Start-up CALMANTECH ist er schon heute im Technodome von Hankook erlebbar.
Was sind die Design Innovation Days – und welche Rolle spielen sie für Hankooks Innovationsstrategie?
Die Design Innovation Days sind seit über zehn Jahren eine feste Plattform, auf der Hankook Nachwuchstalente und innovative Unternehmen zusammenbringt. Ziel ist es, langjähriges Industrie-Know-how mit frischen Perspektiven zu verbinden. Innerhalb von Hankook gibt es zudem eigene Teams, die das ganze Jahr über Ideen vorantreiben – allen voran das Design Innovation Studio. Die Ergebnisse sind greifbar: Konzepte wie der Wheelbot 2 sind aus diesen Projekten hervorgegangen und wurden bereits teilweise in die Realität umgesetzt. Neues auszuprobieren ist für uns der Schlüssel zum Fortschritt.
Wie positioniert sich Hankook mit diesen Konzeptreifen im Markt – geht es um Imagepflege oder echte technologische Roadmap?
Es geht um beides. Auffällige Konzeptreifen mit ungewöhnlichen Farben und Formen schaffen Aufmerksamkeit und tragen dazu bei, das Bewusstsein für dieses essenzielle, sicherheitsrelevante Bauteil zu schärfen.
Gleichzeitig ist Hankook als Erstausrüstungspartner für Premium-Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche eng in die Fahrzeugentwicklung eingebunden – für Fahrzeuge, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen. Unsere Konzeptreifen sind der logische nächste Schritt: Sie denken über den aktuellen Produktionshorizont hinaus und bereiten uns technologisch und materialwissenschaftlich auf das vor, was kommt. Das ist keine Imagekampagne – das ist sichtbare strategische Entwicklungsarbeit. Ein gutes Beispiel ist auch die Entwicklung des luftlosen Reifens iFLEX: Bereits 2010 gestartet, wurde diese kontinuierlich weiter vorangetrieben. 2022/23 wurden mehrere neue Versionen des iFlex vorgestellt, die für den Einsatz auf Pkw, Militärfahrzeugen und Minibussen konzipiert sind und über den Status eines Konzeptreifens hinausgehen. Im angehängten Video der Tire Cologne Pressemappe ist zu sehen, wie der Pkw-Reifen souverän unseren Testparcours absolviert.
Der nachhaltige, 3D-gedruckte Konzeptreifen
Wie sieht der nachhaltige Konzeptreifen von Hankook aus und was macht ihn so besonders?
Der Konzeptreifen ist ein luftloser Reifen (NPT), der vollständig im 3D-Druckverfahren hergestellt wird. Er hat keine klassische Felge – stattdessen fungiert sein Zentrum selbst als Rad: Es besteht aus steifen Materialien für die Kraftübertragung und geht zur Lauffläche hinfließend in weichere, polymerbasierte Werkstoffe über – ähnlich einem Farbverlauf. Diese graduelle Materialübergangsstruktur ist eine völlig neue Konstruktionsphilosophie. Ein weiteres Highlight: Durch den Verzicht auf Ruß eröffnen sich neue Designmöglichkeiten – farbige oder sogar transparente Reifen sind denkbar, wie wir es an unserem Konzeptreifen zeigen.
Welche Materialien werden bei dem Konzeptreifen eingesetzt – und warum ist das nachhaltig?
Das Ziel ist der ausschließliche Einsatz von Materialien, die jederzeit in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden können. Das bedeutet: bioabbaubare Werkstoffe auf Polymerbasis sowie selbstheilende Materialien zur Verlängerung der Produktlebensdauer. Wir arbeiten kontinuierlich daran, synthetische und endliche Rohstoffe im Reifenlebenszyklus immer weiter zu reduzieren. Bis 2050 ist unser Ziel, 100 Prozent nachhaltige Materialien in allen Reifen einzusetzen.
Ist ein vollständig biologisch abbaubarer Reifen wirklich realistisch – oder handelt es sich dabei um Science-Fiction?
Wir sind noch nicht dort, aber auf dem besten Weg. Hankook hat bereits heute Serienprodukte im Portfolio, die zu 77 Prozent aus nachhaltigen Materialien bestehen – der iON GT, unser Hochleistungsreifen für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge, ist dafür das beste Beispiel. 50 Prozent der eingesetzten Materialien sind dabei ISCC-PLUS-zertifiziert. Der Konzeptreifen geht nun gedanklich den nächsten Schritt. Die Herausforderung liegt weniger im Konzept als in der Materialwissenschaft – aber genau dafür forschen wir intensiv.
Warum setzt Hankook auf einen luftlosen Aufbau – was sind die Vorteile gegenüber klassischen Luftreifen?
Luftlose Reifen bieten mehrere entscheidende Vorteile: Sie sind nahezu wartungsfrei, da Reifenpannen durch Unterdruck oder Einstiche ausgeschlossen sind. Das ist besonders relevant für autonome Fahrzeuge, bei denen kein Fahrer mehr den Reifenzustand kontrolliert. Zudem ermöglicht die einteilige Konstruktion aus Rad und Reifen eine leichtere, materialoptimierte Bauweise, die zur Reduktion von CO₂-Emissionen während der Nutzungsphase beitragen kann. Und schließlich: Die strukturelle Flexibilität eines 3D-gedruckten luftlosen Reifens eröffnet Designmöglichkeiten, die mit konventionellen Produktionsmethoden nicht realisierbar wären.
Wie steht der neue nachhaltige Hankook Konzeptreifen in der Entwicklungslinie von früheren luftlosen Konzepten?
Hankook hat bereits mit dem iFlex-Konzeptreifen bewiesen, dass völlig anders designte Reifen funktionieren können. Der iFlex wurde bei Tests erfolgreich mit bis zu 130 km/h gefahren. Der neue nachhaltige Konzeptreifen baut auf diesem Fundament auf, integriert aber nun die Aspekte der additiven Fertigung durch 3D-Druck sowie eine neue Materialphilosophie mit dem Fokus auf vollständige Kreislauffähigkeit. Jede Konzeptgeneration lehrt uns etwas Neues – und dieses Wissen fließt direkt in unsere Serienentwicklung ein.
3D-Druck in der Reifentechnologie
Wie funktioniert das 3D-Druckverfahren, das bei Hankooks Konzeptreifen zum Einsatz kommt?
Wir nutzen das sogenannte Layer-by-Layer-Verfahren: Dabei wird ein dreidimensionales Objekt erzeugt, indem Material Schicht für Schicht aufgetragen wird, bis das gewünschte Modell entsteht. Für den Konzeptreifen setzen wir aktuell Kunstharz-Druck (Resin Printing) ein, aber dieselbe Geometrie eignet sich auch für andere Materialien wie Nylon oder Metalle. Speziell hochelastische Metalllegierungen würden sogar noch dünnere und komplexere Strukturen ermöglichen. Die Modellierung erfolgt mit der Software NTop, die auf spezielle Geometrien ausgelegt und für den 3D-Druck hochoptimiert ist.
Welche Rolle spielt 3D-Druck bei Hankook schon heute – über die Konzeptreifen hinaus?
3D-Druck ist bei Hankook längst kein Nischenthema mehr. Wir setzen die Technologie bereits in mehreren Bereichen ein: bei der Herstellung von Prototypen, beim Erproben neuer Laufflächendesigns und vor allem bei der Produktion von Reifenheizformen. Hankooks Tochterunternehmen Hankook Precision Works ist dabei ein echter Vorreiter: Es ist der erste Hersteller in Korea, der 3D-Metalldrucktechnologie für die Produktion von Reifenheizformen einsetzt. Das ermöglicht komplexere Formen bei deutlich kürzeren Produktionszeiten.
Welche Kooperationspartner sind bei der Entwicklung dieser 3D-Druck-Reifentechnologie involviert?
Wir kooperieren mit führenden Unternehmen im Bereich additiver Fertigung, darunter LG Electronics und Harvestance, die zu den Vorreitern im 3D-Druckbereich zählen. Für den Wheelbot 2 haben wir zudem mit dem Robotik-Start-up CALMANTECH zusammengearbeitet, das Expertise in wichtigen Bereichen eingebracht hat. Diese Partnerschaften zeigen unsere Überzeugung: Keine Organisation kann die Zukunft allein gestalten. Offene Kollaboration mit innovativen Partnern ist entscheidend und bringt uns schneller ans Ziel.
Kann 3D-Druck die konventionelle Reifenproduktion langfristig ersetzen?
Nein – zumindest nicht flächendeckend und nicht in absehbarer Zeit. Wir sehen 3D-Druck als komplementäre Technologie für spezifische Anwendungsfälle, nicht als Ersatz für die bewährte Großserienproduktion. Für die Fahrzeuge, die heute auf der Straße sind, produzieren wir Reifen, die perfekt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. 3D-Druck macht dort Sinn, wo individuelle Anpassung, Komplexität oder neue Materialien gefragt sind – also vor allem im Bereich autonomer Fahrzeuge, urbaner Mobilitätslösungen und maßgeschneiderter Nischenanwendungen.
Wheelbot 2 & Autonome Mobilität
Was ist der Wheelbot 2 und wie hat er sich gegenüber seinem Vorgänger weiterentwickelt?
Der Wheelbot 2 ist eine vollständig funktionsfähige Roboterplattform, die unter der Leitung des Hankook Design Innovation Studio und unserer F&E-Abteilungen entwickelt wurde. Er ist eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Wheelbot-Konzepts aus dem Jahr 2022. Neu ist die ganzheitlichere Integration: Vom Konzept und der Plattformarchitektur über den luftlosen Reifen bis hin zum Kapseldesign wurde alles neu gedacht. Der Wheelbot 2 ermöglicht Bewegungen in alle Richtungen und ist voll funktionsfähig – er kann von Besuchern und Mitarbeitern im Technodome von Hankook selbst getestet werden.
Welche Anwendungsszenarien sind für den Wheelbot 2 und ähnliche Plattformen denkbar?
Die Bandbreite ist groß: Logistik, autonome Shuttles, Last-Mile-Delivery – all diese Bereiche sind potenzielle Einsatzgebiete. Besonders interessant sind Szenarien, die flexible Manövrierfähigkeit erfordern: zum Beispiel der Transport von Personen mit eingeschränkter Mobilität zwischen verschiedenen Gates an Flughäfen oder der Betrieb von Shuttle-Services an Mobility-Hubs. In urbanen Räumen mit hoher Bebauungsdichte - wie sie in vielen asiatischen Metropolen bereits heute existieren – bietet diese Technologie enormes Potenzial.
Welchen Wettbewerbsvorteil hat Hankook als Reifenhersteller bei der Entwicklung solcher Roboterplattformen?
Unser Vorteil liegt in der profunden Expertise rund um das System Rad und Reifen kombiniert mit unserer Innovationskultur und strategischen Partnerschaftsbereitschaft. Hankook bringt das Wissen mit, das am Schnittpunkt von Traktion, Struktur und Fahrverhalten liegt. Was wir wie im Bereich Robotik und autonome Steuerung an eigener Kompetenz ergänzen müssen, holen wir gezielt durch Kooperationen mit spezialisierten Start-ups. Diese Kombination aus Kernkompetenz und offenem Ökosystem ist unser Erfolgsmodell.
Marktreife & Zukunftsperspektiven
Für welche Märkte und Fahrzeugtypen sind die Konzeptreifen langfristig vorgesehen?
Im Fokus stehen autonom fahrende Fahrzeuge sowie urbane Mobilitätslösungen, bei denen keine hohen Geschwindigkeiten erforderlich sind. Gerade in Städten, wo man mit gemäßigtem Tempo von A nach B fährt, haben luftlose Reifen aus dem 3D-Drucker klare Vorteile: Sie sind wartungsarm, pannensicher und eignen sich ideal für Flottenfahrzeuge ohne menschlichen Fahrer. In asiatischen Ländern, wo autonome Taxis bereits weit verbreitet sind und urbane Räume besonders dicht bebaut sind, sehen wir die größte Marktreife in absehbarer Zeit.
Wann wäre eine Serienproduktion der Konzeptreifen realistisch?
Eine Serienproduktion macht erst dann Sinn, wenn die entsprechenden Fahrzeuge auf dem Markt sind und eine echte Nachfrage besteht. Grundsätzlich gilt: Für einige der zugrundeliegenden Technologien wäre eine Serienproduktion bereits heute möglich. Was noch fehlt, ist der passende Markt. Wir entwickeln uns weltweit unterschiedlich schnell – in Asien ist man in manchen Bereichen deutlich näher an der Massentauglichkeit als in Europa. Hankook profitiert hier von seinen koreanischen Wurzeln: Innovation liegt uns in den Genen, und wir stehen bereit, wenn der Markt den nächsten Schritt macht.
Welche technischen Herausforderungen müssen noch gelöst werden, bevor diese Technologien serienreif sind?
Die größten Herausforderungen liegen im Bereich der Materialien. Obwohl sich in den letzten 20 Jahren enorm viel getan hat, ist noch viel Entwicklungspotenzial vorhanden. Es gibt gute Gründe, warum wir heute noch keine blauen Reifen auf der Straße sehen: Die mechanischen Anforderungen an Reifen – Haftung, Belastbarkeit, Temperaturresistenz, Langlebigkeit – sind extrem hoch. Alternative Materialien müssen diese Eigenschaften erfüllen und gleichzeitig nachhaltig sein. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen und die Notwendigkeit, Produktionsprozesse im industriellen Maßstab zu skalieren.
Wie bereitet sich Hankook als Erstausrüstungspartner auf die Fahrzeuge der Zukunft vor?
Als OE-Partner für Premium-Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes-Benz und Porsche ist Hankook bereits heute in die Entwicklung von Fahrzeugen eingebunden, die erst in einigen Jahren auf den Markt kommen. Das bedeutet: Wir denken und entwickeln immer mehrere Jahre im Voraus. Die Konzeptreifen, die wir heute auf der Tire Cologne zeigen, sind das sichtbare Ergebnis dieser langfristigen Denkweise – und gleichzeitig die technologische Vorbereitung auf das, was unsere OE-Kunden morgen von uns fordern werden.
Design & Material
Welche neuen Designmöglichkeiten eröffnet ein 3D-gedruckter luftloser Reifen im Vergleich zu konventionellen Reifen?
Die Möglichkeiten sind revolutionär. Konventionelle Reifen sind aus produktionstechnischen Gründen schwarz – der Ruß (Carbon Black) ist für die mechanischen Eigenschaften bislang unverzichtbar. Wenn wir diesen Rohstoff durch biobasierte Polymere ersetzen, entfällt die schwarze Zwangsfarbe. Farbige Reifen, transparente Strukturen oder individuelle Oberflächenmuster wären möglich – wie wir es an unserem Konzeptreifen demonstrieren. Darüber hinaus erlaubt der 3D-Druck organische, topologieoptimierte Strukturen, die mit herkömmlichen Vulkanisationsverfahren schlicht nicht herstellbar wären.
Was bedeutet der Materialübergang von starr zu weich – der sogenannte Farbverlauf – konkret für die Fahreigenschaften?
Dieser graduelle Materialübergang ist der ingenieurtechnische Kern des Konzepts. Das Zentrum des Reifens muss steif sein, um Kräfte effizient zu übertragen – ähnlich einer klassischen Felge. Die Lauffläche hingegen muss flexibel und gripstark sein, um Bodenkontakt zu gewährleisten. Wenn beide Zonen nahtlos ineinander übergehen, statt durch eine klare Grenze getrennt zu sein, entstehen gleichmäßigere Spannungsverteilungen und potenziell bessere Fahreigenschaften. Das Gleichgewicht zwischen Steifigkeit und Grip ist dabei die zentrale Herausforderung – und genau daran arbeiten wir.
Welche Rolle spielen selbstheilende Materialien im Konzeptreifen und wie weit ist die Forschung hier?
Selbstheilende Materialien sind eine von mehreren Zukunftsoptionen, die wir in unserer Konzeptvision einbetten. Die Idee: Mikroschäden in der Reifenstruktur könnten sich eigenständig regenerieren und so die Lebensdauer des Reifens verlängern. Das ist besonders relevant für autonome Fahrzeuge, die ohne regelmäßige menschliche Inspektion betrieben werden. In der Materialforschung gibt es vielversprechende Ansätze – die Herausforderung liegt darin, diese mit den mechanischen Hochleistungsanforderungen eines Reifens zu kombinieren. Wir sind noch nicht am Ziel, aber aktiv auf dem Weg.
Nachhaltigkeit & Unternehmensphilosophie
Wie fügt sich der Konzeptreifen in Hankooks übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie ein?
Hankook hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 100 Prozent nachhaltige Materialien in allen Reifen einzusetzen. Der Konzeptreifen ist ein visionärer Ausblick auf dieses Endziel – er zeigt, wie ein Reifen aussehen könnte, der vollständig kreislauffähig ist, aus nachwachsenden oder biologisch abbaubaren Rohstoffen besteht und am Ende seines Lebens vollständig in die Natur zurückgeführt werden kann. Parallel treiben wir die Nachhaltigkeit in der Serienproduktion voran: mit Produkten wie dem iON GT, der bereits heute zu 77 Prozent aus nachhaltigen Materialien besteht.
Arbeitet Hankook auch an nachhaltigen Fertigungsprozessen – oder geht es nur um nachhaltige Materialien?
Beides gehört zusammen. Nachhaltigkeit endet nicht beim Material – sie muss den gesamten Produktlebenszyklus umfassen. 3D-Druck als Fertigungsverfahren bietet dabei klare Vorteile: Es wird nur so viel Material eingesetzt wie tatsächlich benötigt (Near-Net-Shape-Fertigung), Werkzeugabfall entfällt, und komplexe Geometrien lassen sich ohne energieintensive Umformverfahren herstellen. Gleichzeitig optimieren wir unsere Produktionsstandorte kontinuierlich hinsichtlich Energieeffizienz und Ressourcenverbrauch. Dieses Engagement von Hankook ist auch von offizieller Seite bestätigt: Mit der Zertifizierung „International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) PLUS“ für den chinesischen Standort in Jiaxing, Provinz Zhejiang, hat Hankook bereits die vierte ISCC PLUS-Auszeichnung erhalten: Zuvor hatten das südkoreanische Werk Geumsan ( 2021) – als erstes Werk der Reifenindustrie überhaupt –, die europäische Fertigungsstätte Rácalmás in Ungarn ( 2023) sowie der Produktionsstandort Daejeon (2025)– ebenfalls in Korea die Zertifizierung erlangt. Das weltweit anerkannte Gütesiegel verifiziert die Nachhaltigkeit von biobasierten und recycelten Materialien sowie die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Die Zertifizierung legt strenge Prüfstandards für den gesamten Prozess fest, die von der Beschaffung der Rohstoffe über die Fertigung bis hin zum Endprodukt reichen.
Welchen Stellenwert hat der Heimatmarkt Korea für die Innovationsführerschaft bei Konzeptreifen?
Koreas urbane Struktur, technologieaffine Gesellschaft und die Dichte an Hightech-Unternehmen schaffen ein einzigartiges Innovationsökosystem. In asiatischen Metropolen sind autonome Fahrzeuge und Robotiksysteme bereits heute viel stärker im Alltag verankert als in Europa. Hankook profitiert davon, dass wir Innovation nicht nur in Europa beobachten, sondern aus dem Epizentrum technologischer Transformation heraus entwickeln. Gleichzeitig ist Hankook mit seiner europäischen Zentrale in Neu-Isenburg und dem europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hannover auch tief im hiesigen Markt verankert – das macht uns zum globalen Brückenbauer.
The Tire Cologne & Mediale Einordnung
Warum präsentiert Hankook diese Konzeptreifen auf der Tire Cologne und nicht auf einer Autoshow?
Die Tire Cologne ist die weltführende Fachmesse für die Reifenbranche – hier entscheiden die Experten, welche Ideen und Technologien die Zukunft der Branche prägen werden. Für Hankook ist es genau das richtige Forum, um zu zeigen, dass wir als Reifenhersteller nicht nur auf veränderte Fahrzeugwelten reagieren, sondern die Mobilität der Zukunft aktiv mitgestalten. Die Fachbesucher hier verstehen die technischen Implikationen und können die Relevanz unserer Konzepte einordnen.
Welchen Anspruch erhebt Hankook an seine Innovationskraft?
Die Kernbotschaft ist klar: Hankook ist nicht nur ein Reifenhersteller – wir sind ein Innovationsunternehmen, das die Grenzen des Möglichen aktiv verschiebt. Wir denken Reifen neu: in ihrer Materialität, ihrer Konstruktion, ihrer Funktion und ihrer Rolle im Gesamtmobilitätssystem. Und wir tun das nicht als akademische Fingerübung, sondern mit funktionsfähigen Prototypen, konkreten Partnerschaften und einer klaren technologischen Roadmap. Wer die Zukunft der Reifenbranche verstehen will, muss Hankook im Blick behalten.